1. Erzähl uns von deinem Lieblings-Projekt/-Universum, an dem du bisher geschrieben oder gearbeitet hast. Warum ist es dein Liebling?
Mein Lieblingsprojekt ist (wie bei so vielen Autoren) immer das, woran ich im Moment arbeite, aber insgesamt ist es wohl mein eigenes SF-Universum um die Terranische Allianz. Schlichtweg, weil es so viel Spaß macht, die Historie der Zukunft (und der Vergangenheit jenseits der Erde) zu kreieren, weil es so viele mögliche Details zum hinzufügen gibt, und letztendlich, weil es meins ist. Keine FanFiction. Meins!
2. Wie viele Charaktere hast du schon geschieben? Schreibst du lieber Männer oder Frauen?
Au weia, die erste Frage kann ich nicht wirklich beantworten. Zu viele, als dass ich mitgezählt hätte. Grundsätzlich ist es für mich einfacher, einen Mann zu schreiben (schlichtweg, weil ich selbst einer bin), aber ich versuche mich dennoch regelmäßig an Frauen. Was wäre das Leben ohne Herausforderungen?
3. Wie findest du Namen für Charaktere (und Orte, falls du deine Geschichten auch an fiktionalen Orten ansiedelst)?
Das ist ganz unterschiedlich. Früher habe ich meistens die Namen meiner Lieblingsautoren und -schauspieler in wilder Weise durcheinander gemischt, aber das mache ich heute nicht mehr. Ist einfach zu einseitig und zu referrenziell. Teilweise verwende benenne ich Charaktere nach anderen fiktionalen Charakteren oder historischen Figuren, die eine inhaltliche Ähnlichkeit zu meiner Figur haben, oft mixe ich Namen aber auch einfach aus freier Assoziation zusammen.
4. Erzähl etwas von einer deiner ersten Geschichten/einem deiner ersten Charaktere.
Mit etwa neun Jahren habe ich angefangen, meine eigene Batman-Comicserie zu zeichnen. Das habe ich fast fünf Jahre lang gemacht, und ich weiß nicht mehr, wie viele Hefte es waren. Viele. Das war für mich jedenfalls gutes Training, was das Schreiben von Serien und die Verwendung von Story- und Character-Arcs angeht.
5. Welcher deiner Charaktere ist alterstechnisch der jüngste? Wie sieht es mit "jüngstem" und "ältestem" Charakter aus im Sinne von wann du sie zum ersten Mal geschrieben hast?
Alterstechnisch war wohl mein Superheld "Der Schutzengel" am jüngsten. Er war 17 Jahre alt, als ich seine Geschichten begann.
Ich hoffe, ich verstehe die zweite Frage richtig. Meine "dienstälteste" Figur, die ich immer noch verwende (oder gedenke, zu verwenden), ist wohl der Superheld "Ultiman", die Hauptfigur meiner geplanten "Earthers"-Saga. Seine Grundzüge habe ich bereits im Alter von sechs oder sieben Jahren kreiert, natürlich machte er in den vergangenen Jahren noch einige Änderungen durch. Meine jüngste Figur (von Nebencharakteren abgesehen) ist John Bryce, der Agent von SPIES. Eine Hommage an den Prä-Craig-Bond und andere klassische Spy-Fiction.
6. Wo findest du es am gemütlichsten zu schreiben? Zu welcher Tageszeit? Und schreibst du lieber am Computer oder mit der guten alten Stift-und-Block-Kombi?
Meistens schreibe ich am Computer. Das liegt schlichtweg daran, dass ich zu faul bin, meine Sachen zweimal zu schreiben (zuerst auf Papier und danach abtippen). Tatsächlich schreibe ich häufiger nachts als tagsüber. Habe mal gehört, dass die meisten Menschen nachts kreativer sind. Keine Ahnung, ob das stimmt oder ich einfach nur so ein Spät-ins-Bett-geher bin.
7. Hörst du Musik, während du schreibst? Welche Art von Musik? Gibt es Songs, die du gerne mit Charakteren verbindest?
Ich höre meistens Musik, wenn ich schreibe. Die Auswahl kommt dann darauf an, was ich schreibe. Wenn ich z.B. für "Agent of SPIES" schreibe, höre ich Bond-Soundtracks, wenn ich Star Trek schreibe, höre ich ST-Soundtracks, wenn ich an meinem Universum der Terranischen Allianz arbeite, höre ich meistens Christopher Frankes Musik zu "Babylon 5", usw..
8. Welches Genre schreibst du am liebsten? Und welches liest du am liebsten?
Science Fiction. Speziell Weltraum-SF.
9. Wie kommen dir deine Ideen für Charaktere? Beschreibe, wie du sie aufbaust/ausgestaltest.
Meistens habe ich zuerst eine Idee für eine Story und erschaffe dann die Charaktere dazu. Also, was muss ein Charakter mitbringen, um glaubhaft an dieser oder jener Stelle genau so zu handeln, wie es die Story verlangt. Manchmal ist es aber auch umgekehrt. Für die Reihe "Der Koloss", die ich für das PRANKE-Magazin schreibe, hatte ich bereits eine Nebenfigur, die ich noch nicht sonderlich ausgearbeitet hatte. An einer Stelle sollte sie auf eine gewisse Weise handeln, also überlegte ich mir eine Geschichte für sie, ein Trauma in ihrer Kindheit, dass sie auf diese Weise handeln ließ. Und dann fragte ich mich, was wohl passieren würde, wenn in der nächsten Folge dies oder jenes passieren würde, wie sich das auf sie auswirken würde, und wie sie dieses Trauma schließlich überwinden könnte. Es ist also manchmal auch eine Wechselwirkung, gerade beim Schreiben von Serien.
10. Was sind Beispiele für richtig bizarre Situationen, in die du deine Charaktere schon gesteckt hast?
Mein Superheld "Der Schutzengel" ist in einer Geschichte auf den Gott seines Universums getroffen: Mich. Bzw. ein fiktionaler Avatar meiner selbst. Wir haben dann über die Natur der Metaphysik fiktionaler Werke und ihrer Schöpfer philosophiert.
11. Welchen Charakter schreibst du am liebsten? Und am wenigsten gern?
Ich schreibe keine Charaktere, die ich nicht gern schreibe. Ich schreibe also alle meine Charaktere gern. Wahrscheinlich gibt es Ausnahmen, aber mir fallen einfach keine ein.
12. In welcher deiner Storys sitzen die Worte deinem Gefühl nach am besten? Hast du dazu noch ein paar Anmerkungen?
Das passiert nicht wirklich in einer ganzen Geschichte. Meistens sind es einzelne Sätze, die für mich wichtig sind. Etwa in meiner Superman-FF „Abschied von einem Helden“, wo Superman am Ende sagt "Auf Wiedersehen, Chris, und mögest du nun durch den Himmel gehen!". Auf solche einzelnen Sätze bin ich sehr stolz, aber ich wüsste keine Geschichte, die da jetzt herausragt (außer im negativen Sinne, dann wäre es meine zweite „Koloss“-Folge, die ich während einer Schreibblockade runterrattern musste).
13. Welche Kultur schreibst du am liebsten, egal ob fiktional oder real?
Ist jemandem schon aufgefallen, dass ich mich nicht gern festlege? Okay, es ist schwierig. Die eigene Kultur ist am einfachsten zu schreiben, da man da gar nicht so viel schreiben muss. Fremde Kulturen in der Realität schwanken hier auch, Wild West (was ich schon geschrieben habe) ist recht leicht rüberzubringen, wirklich exotische Kulturen sind etwas schwieriger und erfordern viel Recherche. Bei fiktionalen Kulturen ist es ähnlich. Bei Trek-Fanfiction ist es leicht, die Kultur der Föderation zu beschreiben, weil ich sie im Grunde so gut kenne, und daher auch nicht Gefahr laufe, zu viel zu schreiben. Bei den von mir kreierten Kulturen ist es etwas schwieriger, da ich hier mehr erklären muss, dafür ist die Befriedigung, wenn es denn klappt, um so größer.
14. Wie entwirfst du bei Bedarf Orte, wie bestimmst du, was wo ist? Hast du welche, die du uns zeigen kannst?
Ähölm, … wo liegen meine Orte? Gute Frage. Ich meine, die Orion-Welten aus meinem TA-Universum liegen offensichtlich im Gürtel des Orion. Ansonsten … keine Ahnung. Ich glaube, ich entwerfe eher Kulturen als Orte.
15. Halbzeit-Frage! Erzähl uns von einem Schrifsteller/Schreiber (egal ob professionell oder nicht), den du bewunderst.
Nur einer?! Na gut. Dann erzähle ich mal von J. Michael Straczynski.

JMS ist ein US-Autor von Fernsehserien, Kinofilmen, Kurzgeschichten, Romanen, Theaterstücken und Comics. Er hat als Autor für Zeichentrickserien in den 80ern angefangen („He-Man & the Masters of the Universe“, „Real Ghostbusters“) und hat mehrere Episoden der 80er-Neuauflage der „Twilight Zone“ geschrieben. Außerdem schrieb er für „Mord ist ihr Hobby“. Anfang der 90er kreierte er mit „Babylon 5“ eine der besten und einflussreichsten SF-Serien, in der ein von Anfang an geplanter Handlungsbogen über fünf Jahresstaffeln erzählt wurde. Neben dem originalen „Star Trek“ ist B5 meine absolute Lieblingsserie, und es hat die Tür für Weltraum-SF abseits des Trek-Universums im US-Fernsehen geöffnet. Die Staffeln 3 und 4 schrieb Straczynski komplett alleine, in Staffel 5 wurde nur eine einzige Episode von einem Gastautor geschrieben. Das alleine ist schon eine unglaubliche Leistung. Sein B5-Spinoff „Crusade“ wurde leider viel zu früh eingestellt und hätte noch viel Potential gehabt. Mit „Rising Stars“ und „Midnight Nation“ kam Straczynski zu den Comics, und nach einem erfolgreichen Run bei „Amazing Spider-Man“ und einigen weiteren Marvel-Comics schreibt er heute für DC, u.a. „Superman“, „Wonder Woman“ und die Graphic Novel-Reihe „Superman: Earth One“. Währenddessen hat er noch die TV-Serie „Jeremiah“ produziert und schreibt außerdem Drehbücher für Kinofilme, u.a. „Der fremde Sohn“ von Clint Eastwood mit Angelina Jolie in der Hauptrolle. Außerdem schrieb er drei Horrorromane und mehrere Kurzgeschichten, die u.a. in dem Sammelband „Straczynski Unplugged“ enthalten sind.
Ich habe sehr viel von JMS über das Schreiben gelernt. In seinen Audiokommentaren, Online-Kommentaren und Artikeln über das Schreiben hat er mir soviel über das Handwerk des Schreibens beigebracht, wie ich es nicht für möglich gehalten hätte. Mehr als jeder andere Autor hat JMS mich geprägt.
16. Schreibst du auch romantische Beziehungen? Wie geht es dir damit, und wie "weit" bist du in deinen Beschreibungen bereit zu gehen? 
Klar schreibe ich auch romantische Beziehungen. Und ich gehe so weit, wie es Sinn macht. Hey, ich könnte mir auch vorstellen, mal eine Story zu schreiben, die nicht jugendfrei ist. Warum auch nicht? Könnte Spaß machen. Hmmmm, ….
17. Wer ist dein Lieblings-Hauptcharakter und warum?
Superman. Er ist so unglaublich mächtig, aber er setzt seine Kräfte ein, um anderen zu helfen, anstatt sie zu unterdrücken. Er ist ein Idealist, und da ich selbst einer bin, kann ich mich hervorragend mit ihm identifizieren.
18. Wer ist dein Lieblings-Gegenspieler und warum?
Okay, das ist schon schwieriger. Ich würde mich für den Joker entscheiden, wie er u.a. in „The Dark Knight“ dargestellt wurde, da er wirklich bösartig ist (keine erkennbare Motivation, überhaupt ein einziges Mysterium), die Helden aber dennoch nicht nur physisch angreift, sondern ihre Weltbilder zerstören will.
19. Wer ist dein liebster Nebencharakter, der sich auch schon mal in den Mittelpunkt gedrängt hat, und warum?
Okay, jetzt kann ich mich wirklich nicht entscheiden. Lois Lane und das Gespann Spock / McCoy. Lois Lane, weil Superman ohne sie nicht funktioniert. Sie ist, was ihn menschlich bleiben lässt. Sie ist eine unglaublich starke Figur, und ihre Grundzüge bleiben in fast allen Inkarnationen gleich: Sie ist stark, unabhängig und mit Leib und Seele Reporterin.
Spock und McCoy sind so genial, weil sie zwei völlig gegensätzliche Figuren sind. Spock ist der, der seine Gefühle unterdrückt und die Dinge aus einem rein logischen Gesichtspunkt betrachtet. McCoy ist ein emotionaler, zynischer Idealist, ein „Bleeding Heart“, der sich der Gefühlskälte Spocks entgegenstellt. Diese Figurenkonstellation ist perfekt, um schwierige Themen anzugehen, und die freundschaftlichen Neckereien der beiden machen auch noch richtig viel Spaß!
20. Welche Art von Interaktion zwischen Charakteren schreibst du am liebsten?
Dialoge. Besonders humorvolle Dialoge schreiben sich bei mir wie von selbst, und ich muss mich manchmal selbst bremsen, um wieder zur eigentlichen Geschichte zurückzukommen.
21. Haben irgendwelche deiner Charaktere Kinder? Wie gut sind diese zu schreiben?
Puuh! Jetzt, wo ich darüber nachdenke, ich glaube tatsächlich, dass ich noch nie Kinder geschrieben habe. Jedenfalls noch nie in größerem Stil, höchstens mal beiläufig. Ich weiß nicht, warum.
Oh, da fällt mir ein, der Nachtjäger hat einen Neffen.
22. Erzähl uns von einer Szene zwischen deinen Charakteren, die du nie geschrieben hast oder von der du niemandem erzählt hast, egal ob ernsthaft oder lustig.
Also, da ist … Moment, nein, das kann ich hier nicht schreiben. Aber diese andere … Verflixt, das kommt erst noch. Aber das eine Mal als … Oje, das wäre tatsächlich nicht jugendfrei ...
23. Wie lange brauchst du normalerweise, um eine Geschichte fertigzustellen - von der Planung übers Schreiben bis zum Posten?
Hier muss ich wieder mal mit einem klaren „Mal so, mal so“ antworten. Viele Geschichten habe ich schon geplant, aber sie harren des endgültigen Niederschreibens.
24. Wie groß ist deine Bereitschaft, deine Charaktere sterben zu lassen, wenn der Plot das verlangt? Was ist die interessanteste Art, auf die du schon jemanden hast sterben lassen?
Es ist hart, aber im Zweifelsfall tue ich es, sofern es für den Plot notwendig ist. Das Schwierigste war wohl, die Mutter des Schutzengels sterben zu lassen, da der Schutzengel zu einem großen Teil auf mir selbst basierte und ich dabei ständig daran denken musste, wie ich mich fühlen würde, wenn meine Mutter sterben würde.
Die interessanteste Todesart habe ich tatsächlich noch nicht geschrieben, aber sie ist in meinem Kopf. Und ich werde den Teufel tun, das jetzt schon hinauszuposaunen.
25. Hat irgendeiner deiner Charaktere Haustiere? Erzähl uns davon.
Bislang noch nicht.
26. Zeichnest du deine Charaktere? Zeichnen andere sie? Wähle einen deiner Charaktere und poste dein Lieblingsbild von ihm/ihr.
Das reiche ich nach, sobald die Illustration zu STAR TREK BEYOND fertig ist.
27. Spielt überhaupt Aussehen in deinen Storys eine große Rolle? Erzähl uns davon, oder falls nicht, wie legst du deine Charaktere an?
Manche Charaktere besetze ich in meinem Kopf mit bekannten Schauspielern.
28. Hast du jemals einen Charakter geschrieben, der körperlich oder geistig behindert war? Beschreibe ihn oder sie.
Chris in „Abschied von einem Helden“ war querschnittsgelähmt.
29. Wie oft denkst du ans Schreiben/über das Schreiben nach? Bist du je etwas im realen Leben begegnet, das dich an deine Geschichte oder deine Charaktere erinnert?
Ich denke nicht ständig ans Schreiben, aber ich bekomme häufig wie aus dem Nichts Einfälle, dieses oder jenes in meinen Geschichten zu tun. Das mich Leute um mich herum an meine Charaktere erinnern, kann ich nicht sagen. Andersherum wird ein Schuh draus.
30. Letzte Frage! Wähle einen Mitschreiber/eine Mitschreiberin aus und erzähl uns, was du an ihm/ihr und/oder an seinen/ihren Charakteren magst.
An CK_Unlimited gefällt mir, wie sie wirklich ins Innenleben ihrer Charaktere eintauchen kann. Ich könnte das nicht. Wenn ich das versuchen würde, würde ich mich selbst anmahnen, zum Punkt zu kommen. Komischerweise beurteile ich ihre Geschichten überhaupt nicht so. Da messe ich wohl mit zweierlei Maß.Statistik: Verfasst von Kai the spy — Fr 18. Feb 2011, 18:30
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