Titel: Bad Flight
Rating: ab 16
Autoren: Amber-Scully & Freundin
Spoiler: nicht, das wir wüssten... ^^
Kategorie: Angst, MSR, auch Romanze
Disclaimer: Die Charaktere gehören nicht uns, sondern Chris Carter, 20th Century Fox und 1013 Productions. Wir haben sie uns nur geliehen, um sie ein wenig leiden zu lassen *g*.
Short-Cut: Ein Flugzeug wird entführt. Und ihr könnt euch sicher denken, wer sich in diesem Flugzeug befindet... Natürlich! Mulder und Scully... und die beiden werden nicht mit Samthandschuhen angefasst, das können wir euch versprechen. Welche Strapazen die beiden über sich ergehen lassen müssen und ob sie es heil aus dieser brenzligen Situation schaffen, lest selbst...
Bad Flight
Teil 1
07:19 Uhr
Scully war mulmig zumute. Die paar tausend Meter, in denen ihr Partner Agent Fox Mulder und sie sich befanden, machten sie wie immer nervös. Sie hasste es zu fliegen. Geistesabwesend schaute sie aus dem Fenster neben sich. Die vielen Wolken versperrten die Sicht auf die Erde. Die Maschine war etwa seit zwanzig Minuten in der Luft. Scully war froh, wenn sie sie wieder verlassen würden, doch das dauerte noch geschätzte vier Stunden. Warum hatte Mulder auch nur den Fall angenommen und musste sie jetzt nach Roswell schleppen? Sie warf einen skeptischen Blick auf die Reihe vor sich. Mulder lag mit ausgestreckten Beinen auf der Sitzbank, die Augen geschlossen und die Stöpsel vom MP3-Player im Ohr.
'Ich verstehe einfach nicht, wie er immer so relaxed sein kann,' Scully lehnte sich zurück. Irgendeinen Weg musste es doch geben, sich abzulenken. Also nahm sie eine Zeitschrift zur Hand und blätterte darin herum. Nach einigen Minuten jedoch legte sie sie wieder zurück. Es stand einfach nichts Interessantes darin. Vielleicht würde die X Akte, die Mulder auf seinen Schoss liegen hatte, Scully auf andere Gedanken bringen. Kurz zögerte sie, dann langte sie über die niedrige Stuhllehne hinweg und tippte ihm an die Schulter.
,,Mulder. Gibst du mir mal die Akte?", fragte sie, nachdem er die Augen geöffnet und die Stöpsel hinaus gezogen hatte.
,,Was ist, Scully? Stürzt das Flugzeug ab?", er grinste schelmisch. Mulder wusste, dass seine Partnerin es hasste zu fliegen. Doch es gab keinen anderen Weg, um Roswell innerhalb der nächsten Stunden zu erreichen. Scully erwiderte sein Grinsen auf ironische Art und Weise.
,,Hoffentlich versagt deine Atemmaske als einzige. Verdient hast du es auf jeden Fall." Sie nahm den Ordner entgegen, welchen Mulder ihr nun entgegenhielt.
,,Danke." Sie hatte bereits wieder den Blick auf die Schriftzeichen gewandt, da fragte er mit Spott in der Stimme ,,Sonst noch etwas, Mrs. Scully?" Sie winkte ab. 'Dann halt nicht.' Mulder steckte sich ohne weitere Worte erneut die Stöpsel in die Ohren und vertiefte sich wieder in seiner Musik.
Scully las währenddessen die Akte.
Als Mulder sie gestern Nacht angerufen hatte und ihr gesagt hatte, dass sie einen Fall in Roswell übernehmen mussten, war ihre Freude nur bedingt gewesen.
Irgendetwas sagte ihr, dass es einen Haken gab. Mulder hatte sich so begeistert angehört- zu begeistert.
„Wir fliegen ins sonnig warme New Mexiko Scully!“ hatte er verkündet.
„Um dort was zu machen?“
„Es gab da einen .... Zwischenfall in Roswell“ rückte er dann langsam mit der Sprache heraus.
Sämtliche Alarmglocken schrillten bei Scully auf als sie ‚Roswell’ hörte. Sie konnte sich vorstellen, was das werden würde. Eine Jagd auf Außerirdische.
Als hätte er ihre Gedanken gelesen, versuchte er sich gleich in Schadensbegrenzung. Er wusste, was seine Partnerin dachte, im Grunde lag sie gar nicht so falsch, aber das durfte er ihr vorerst nicht sagen.
„Es ist nicht das was sie denken.“
„Was denke ich denn, Mulder?“ fragte sie mit einem Unterton in der Stimme, den Mulder nur allzu gut kannte.
„Sie denken,dass das eine Jagd nach Außerirdische wird. Aber das ist es nicht.....nicht direkt.“ Er machte eine Pause, um ihr Zeit zu geben, darüber nachzudenken.
„Der Sheriff hat einige metallische Überreste gefunden und es gab da verschiedene Lichterscheinungen“ versuchte Mulder zu erklären. Er hörte ein Seufzen am anderen Ende. Er wusste, sie würde mit ihm kommen.
„Na gut Mulder. Ich kann sie ja wohl schlecht alleine auf Roswell loslassen. Aber ich bin mir sicher, das es nicht das ist was sie denken oder vermuten.“
„Danke Scully. Ich hab schon einen Flug gebucht. Ich hole sie morgen um halb 6 Uhr ab.“ Damit legte er auf und gab ihr keine Möglichkeit zu protestieren. Nur zu gut wusste er, wie sehr sie es hasste, wenn er Flüge für sie beide buchte, ohne sie vorher zu fragen.
Das war jetzt neun Stunden her.
'Warum habe ich nicht nein gesagt? Dann müsste ich jetzt nicht fliegen.'
Sie versuchte sich auf die Akte auf ihrem Schoss zu konzentrieren, aber es wollte ihr nicht gelingen. Heute war sie irgendwie unruhiger als sonst. Ob das nur am Fliegen lag? Oder lag es daran, dass in diesem Flugzeug einfach nur circa 60 Personen waren? Wohl kaum.
Ein paar Minuten waren vergangen. Dieses ungute Gefühl steigerte sich allmählich. Irgendetwas in Scully wollte sie warnen, nur wovor? Sie blickte zu Mulder, der noch immer mit geschlossenen Augen da lag. Das Reisen im Flugzeug war ihm sichtlich schnurz und seine Partnerin beneidete ihn dafür. Nachdem sie die Akte neben ihren Sitzplatz gelegt hatte, stand Scully auf. Mit einem seltsamen Gefühl in ihrer Magengegend und einem unangenehmen Kribbeln in den Füßen trat sie hinaus in den Gang. Mulder bemerkte dies nicht. Und sie hatte auch nicht vor, ihn darüber zu informieren, dass sie nun die Toilette benutzen würde. Also lief die Agentin durch die Reihen und betrachtete dabei die Reisenden. Manche hatten die Augen geschlossen, andere starrten aus den Fenstern, wieder andere lasen Zeitungen oder spielten Karten. Es waren wohl auch ein paar Familien unter den Passagieren, denn in einer der vordersten Reihen sah sie ein neunjähriges Mädchen aufgeregt schwatzen. Wie entspannt diese Leute nur alle waren. Das krasse Gegenteil zu Dana Scully, die sich fort wünschte von diesem Ort.
Warum blieben alle so entspannt?
Schnell verschwand sie in der Toilette, die aufgeregten Stimmen, die sie aus dem Cockpit vernahm, fand sie nicht so beunruhigend. Bestimmt hatten die Piloten eine Meinungsverschiedenheit. Im gleichen Moment jedoch stellte sie fest, dass es sehr beunruhigend war, wenn es um das Flugzeug ging. Was, wenn sie abstürzen würden?
Schnell erledigte sie ihr Geschäft und trat dann näher an den dunkelblauen Vorhang heran, der sie von dem Raum mit den Piloten trennte.
Aufmerksam lauschte sie.
Zuerst hörte sie nur eine Stimmte, ziemlich erregt, mit einem ausländischen Akzent. Wenn sie sich nicht irrte, hörte sich es arabisch an.
Dann war plötzlich ein ganzes Stimmengewirr da. Mindestens fünf Personen, die sich offensichtlich um etwas stritten.
Die Agentin war nur in der Lage einige wenige Worte herauszuhören: ‚Landen’, ‚Flugzeug’ und ‚Hamas’.
Beim letzten war sie sich nicht sicher, ob sie es sich nicht nur eingebildet hatte.
Hatte ihr Ohr ihr einen Streich gespielt, weil sie solch ein ungutes Gefühl hatte?
Sie beschloss Mulder zu informieren, wahrscheinlich würde er sie auslachen, aber im Moment war es ihr egal. Die Unruhe, welche sie schon vorher verspürt hatte, war stärker geworden.
Sie wollte gerade wieder in den Gang zurückgehen, als sie Schritte hinter sich hörte und gleich darauf einen Schlag auf den Hinterkopf einsteckte. Sie hatte keine Chance sich umzudrehen und ihren Angreifer zu sehen, denn sie wurde fast sofort bewusstlos, spürte den unsanften Aufprall auf dem Boden nicht mehr.
07:31 Uhr
Mulder hatte entspannt auf seine Musik gehorcht, da stoppte der Song plötzlich mittendrin. Er öffnete die Augen und schaute auf das Display. ,Scheiß Akku´s. Die halten auch nicht mehr länger als zwanzig Minuten', schimpfte er in Gedanken. Er nahm die Ohrstöpsel aus den Ohren und packte anschließend das Gerät in seine Aktentasche. Gerade beugte er sich auf, da hörte er eine laute und aggressive Stimme durch die Reihen rufen.
,,ALLE SOFORT AUF IHRE SITZPLÄTZE UND RUHE BEWAHREN! WIR HABEN DAS FLUGZEUG UNTER UNSERER KONTROLLE. WENN JEMAND IRGENDWELCHE TRICKS VERSUCHT, WERDEN WIR GEBRAUCH VON UNSEREN SPIELZEUGEN MACHEN!"
Mulder war erschrocken. Eine Flugzeugentführung? Das konnte doch nicht wahr sein! Seine Augen wanderten zu den fünf bewaffneten Männern, die wie wild mit ihren Waffen in der Luft fuchtelten und die Leute auf ihre Sitzplätze scheuchten. Die anderen Passagiere zeigten Panik und waren vollkommen überrumpelt. Manche Frauen hatten zu weinen begonnen, Männer waren verdutzt aufgesprungen und riefen ,,Was soll der Scheiß?" aber als die maskierten Männer die Waffen auf sie richteten, traute sich keiner mehr, sich zu widersetzten.
,,Scully. Wir müssen was tun. Wir haben noch unsere Waffen bei uns. Das wissen die Typen nicht. Wir müssen versuchen, diese Situation zu entschärfen." Als er geendet hatte, wartete er angespannt auf eine Antwort von seiner Partnerin, doch es kam keine. Als er sich sicher fühlte und gerade keiner der Terroristen in seine Richtung schaute, drehte er sich auf seinem Platz um und traute seinen Augen nicht. Scully war weg.
,,Verdammt, Dana! Wo bist du?!", sofort tauchten die schrecklichsten Szenarien vor seinen geistigen Auge auf. Was war mit Scully, wo war seine Partnerin?
Scully wurde von einem Unbekannten ins Cockpit geschleppt. Noch immer war sie nicht bei Bewusstsein. Wie ein nasser Sack zog der vermummte Mann sie hinter sich her.
„Said!“ rief der Mann. Ein ebenfalls vermummter Mann drehte sich zu den beiden um.
„Was hast du gemacht Ahmad?“ fragte er mit Blick auf die leblos wirkende Agentin.
„Sie hat uns belauscht und ich hab sie niedergeschlagen“ rechtfertigte sich Ahmad.
Der scheinbare Anführer – Said - überlegte einen Moment.
„Weck sie auf und durchsuch sie“ befahl er dann nach kurzen Zögern. Es gefiel ihm gar nicht, das sie nun hier war. Er ging nach draußen.
Ahmad versuchte erst gar nicht sie so zu wecken, er holte aus dem Getränkewagen eine Flasche Wasser und goss diese über Scullys Gesicht.
Langsam fing sich die FBI Agentin an zu regen. Als sie die Augen ganz offen hatte, wurde sie brutal nach oben gezerrt. Ihr Kopf dröhnte und sie hatte keine Ahnung was hier gerade geschah.
Ahmad fing an sie abzutasten, worauf Scully prompt protestierte.
„Nehmen sie ihre Finger weg!“
„Klappe!“ fauchte er und machte weiter.
Länger als nötig verweilte er an ihrem Oberkörper. Seine Hände wanderten langsam nach unten und spürten dann einen Gegenstand. Er hob ihren Blazer an und entdeckte ihre Waffe.
Scully, die noch immer etwas wackelig auf den Beinen war, murmelte irgendetwas.
„Wer sind sie?“ fragte er
Sie antwortete nicht.
Er wiederholte seine Frage, aber sie antwortete immer noch nicht. Ahmad wurde ungeduldig. Als sie sich immer noch nicht regte, nahm er ihre Waffe, entsicherte sie und zielte auf den mucksmäuschenstillen Piloten.
Scully hatte ihn bis zu diesem Zeitpunkt gar nicht bemerkt.
„Wie heißen sie?“ fragte er nochmals mit Nachdruck.
Es blieb still. Dana sah förmlich in Zeitlupe, wie er den Abzug drückte, die Kugel aus dem Lauf geschleudert wurde und schließlich den Piloten traf.
Der Kopilot schrie entsetzt auf.
„Weiterfliegen“ befahl er.
Er schien von dem Ganzen ungerührt zu sein, während Scully noch immer wie erstarrt auf den Piloten blickte.
„Wie heißen sie?“ fragte er nochmals.
Doch diesmal war Scully zu erschüttert um irgendetwas zu sagen.
Ahmad holte aus und schlug Scully mit der Waffe an die Schläfe. Wieder ging sie zu Boden, blieb diesmal jedoch bei Bewusstsein.
Mulder hatte selten in seinem Leben Angst, aber wenn es um seine Partnerin ging, vermutete er immer das Schlimmste. Seit wann war Scully verschwunden und wo befand sie sich jetzt? Er wusste keinen Rat. Wären keine Terroristen zwischen den Sitzreihen herumgelaufen, wäre er einfach aufgesprungen und hätte seine Partnerin gesucht, aber dies konnte er zum jetzigen Zeitpunkt einfach nicht riskieren.
Mittlerweile traute sich keiner der Passagiere mehr von seinem Platz aufzustehen. Alle beobachten die fünf maskierten Männer, manche neugierig, andere ängstlich. Keiner machte Anstalten, Widerstand zu leisten. Mulder empfand dies als schlau. Noch war unklar, was die Terroristen verlangten und zu welchen abscheulichen Taten sie fähig waren.
Um sicherzugehen, tastete der Agent kurz an seiner Hüfte. Noch war seine Waffe an ihrem Platz. Doch wie lange noch? Würden die Terroristen - welchen Grund sie auch immer hatten, das Flugzeug zu entführen - alle Passagiere durchsuchen? Mulder hoffte es nicht. Er beschloss kurzerhand, die Waffe an ihrem derzeitigen Aufenthaltsort zu lassen. Zu groß war die Gefahr, dass man ihn dabei erwischte, wenn er versuchte sie zu verstecken. Ein paar Minuten vergingen. Mulder wurde immer nervöser und eine unangenehme Unruhe kribbelte in seinem Körper. Sollte er es sich doch wagen, einfach aufzustehen?
,Jetzt reiß dich am Riemen und bewahre einen kühlen Kopf. Sowas hast du doch schon oft durchlebt.' Doch er musste zugeben, dass Scully bisher immer an seiner Seite gewesen war. Diesmal jedoch nicht. Die Angst um seine Partnerin stieg. Irgendein Terrorist musste sie sich geholt haben oder... Mulder wollte es sich nicht ausmalen.
Als er seinen Blick um ein weiteres Mal durch die Gänge schweifen ließ, sah er, wie jemand einen Wäschekorb herbeischleppte. Der maskierte Mann, der neben ihm stand, erhob das Wort.
,,Mein Kumpel wird jetzt durch die Reihen gehen. Ich fordere Sie hiermit auf, Ihre Wertsachen hineinzuwerfen. Ob Handys, Geldbörsen, Ausweise. Wer sich nicht dran hält, wird bestraft. Und keine Mätzchen." Man merkte, dass er nicht fließend sprach. Irgendein Akzent floss in seiner Stimme mit, doch Mulder konnte nicht sofort sagen, welcher es war. Angespannt verfolgte er den Mann, der Reihe für Reihe durchlief. Die Passagiere taten, was ihnen befohlen worden war. Als der Korb Agent Fox Mulder erreicht hatte, befanden sich Unmengen von Handys und anderen Wertgegenstände darin. Nun musste es schnell gehen. Ohne lange zu zögern, warf Mulder sein Handy und seine Geldbörse hinein. Doch der Maskierte schien nicht befriedigt.
,,Ausweis!", forderte er im kalten Befehlston. Und nun? Mulder entschloss sich kurzerhand, seinen FBI Ausweiß hineinzuwerfen. Was blieb ihm anderes übrig?
,Und jetzt verpiss dich!', betete er im Stillen. Wenn der Terrorist bemerkte, dass eine Waffe an Mulders Halfter saß, würde es keine Verschonung geben.
,,Sonst noch was? Soll ich mich ausziehen und einen Strip Teas hinlegen?", auf sarkastische Art und Weise versuchte er ein Ablenkungsmanöver. Doch der Terrorist, dessen Name Marid war, fand diesen Spruch gar nicht lustig. Er holte aus und traf Mulder mit seinem Pistolenlauf an der Schläfe. "Schnauze!"
Währenddessen lag Scully noch immer am Boden. Ihr Kopf dröhnte fürchterlich und Blut lief an ihrer linken Schläfe herunter.
Warum musste ausgerechnet das Flugzeug entführt werden, in dem sie saßen? Und was hatten diese Leute vor?
Verschwommen sah sie Ahmad auf sich zukommen. Brutal riss er sie an den Haaren hoch.
„Ahhhh“ schrie Scully auf.
„Ich werde rauskriegen wer sie sind!“ damit zog er sie zu den anderen Passagieren. Bei den Sitzreihen angekommen, packte er sie bei den Armen, weil sie drohte zu stürzen. Er hatte sie wohl ziemlich stark am Kopf getroffen.
„Kennt jemand die Frau?!“ schrie er dann.
Im Flugzeug blieb es totenstill. Man sah ängstlich geweitete Augen, Frauen die leise weinten und das Rascheln der Körbe, die die Ausweise einsammelten.
Musternd ließ er nochmal einen Blick durch den länglichen Raum wandern, als er von Scully zurücktrat und auf die Reihe mit dem kleinen Mädchen zuging.
Panisch versuchte die Mutter das Kind festzuhalten, das Kind weinte und schrie. Es hatte schreckliche Angst. Langsam setzte er die Pistole an die Schläfe des Kindes.
„ Wie heißt diese Frau?“ fragte er nachdrücklich.
Scully schaute entsetzt auf das Szenario. Das Mädchen durfte nicht streben, nicht wegen ihr.
„Ich heiße Dana Scully“ sagte sie dann leise. Ihre Stimme war ein Zittern und kostete sie unheimlich Kraft. Sie wollte schlafen, schlafen und dann aus diesem Albtraum aufwachen.
Erstaunt blickte sich der Mann um.
„Und warum haben sie eine Waffe?“
„Um sie zu erschießen“ stieß Scully hervor.
Mulder fasste sich an die Schläfe, nachdem Marid verschwunden war. Nun stand fest, dass diese Männer brutal und unberechenbar sein konnten. Seine Angst um Scully verstärkte sich. Was, wenn sie wirklich bei den Männern war? Was würden die wohl mit ihr anstellen? Besorgt schaute er um sich. Die Beute, die sich im Korb stapelte, wurde durchsucht. Mulder hoffe, sein Ausweis würde nicht der erste sein, den man genauer unter die Lupe nahm. Zumindest bis Scullys Rückkehr wollte er auf seinem Platz sitzen bleiben, um sich einen besseren Überblick über die Lage verschaffen zu können.
Gerade wischte er die Blutstropfen fort, die sich an seinem Kopf gebildet hatten, da ertönte ein Schuss. Die Passagiere zuckten erschrocken zusammen. Sofort war die Aufmerksamkeit der Menschen geweckt. Überrascht aber auch neugierig blickten sie Richtung Cockpit. Hatte man etwa den Piloten erschossen? Oder hatte Scully Gebrauch von ihrer Waffe gemacht?
Mulder war ratlos. Was sollte er nun tun? Langsam ließ er die Hand sinken. Gab es überhaupt noch ein Entkommen aus diesem Gefängnis?
In Gedanken verloren bemerkte Mulder kaum, als Ahmad wenig später mit Scully im Schlepptau den Passagierraum betrat. Erst nachdem ihm eine vertraute Stimme ans Ohr drang, schaute er auf und zuckte erschrocken zusammen, als er seine Partnerin erkannte. Sofort erkannte er das Blut an ihrer Schläfe. Warum und wie war sie nur in die Fänge dieser Entführer gelangen? Und was wollten sie von ihr? Mulder grübelte. Sollte er einfach aufstehen und somit seine Identität preisgeben? Nein. Das würde nur ihr Leben und auch seines gefährden. Leicht zitternd verharrte er also auf seinem Platz und versuchte das Geschehen in etwa zehn Metern Entfernung zu verfolgen.
Mit dieser Antwort kassierte Scully nur einen weiteren Schlag. Diesmal schlug er jedoch nicht mit der Waffe nach ihr, sondern trat ihr mit seinem Fuß in den Bauch.
Scully krümmte sich keuchend vor Schmerzen. Sie war von der Brutalität völlig überrascht. Zuvor hatte sie schon Zweikämpfe ausgetragen, doch diese Situation war neu. Zwar waren die Terroristen eindeutig in der Minderheit, jedoch trugen sie Waffen und konnten die Passagiere einfach niederschießen, wenn sie ihnen Probleme machten.
Was konnte sie also tun? Wenn sie diesem Ahmad gestehen würde, dass sie vom FBI war, musste sie sich auf weitere Schläge vorbereiten, denn sie würde keinesfalls auf Begeisterung stoßen.
„Muss ich erst das Mädchen erschießen damit sie reden?“ knurrte er dann dicht an ihrem Ohr. Er wusste, dass sie das Leben des Mädchens nicht gefährden wollte.
Scully schloss geschlagen die Augen.
„Ich bin vom FBI“ flüsterte sie kaum hörbar.
Sie wartete schon auf den nächsten Schlag, aber der kam nicht. Stattdessen zog er sie wieder an den Haaren nach oben und tastete sie erneut ab. Gründlicher diesmal. Dana empfand es als widerlich, wie seine Hände über ihren Körper glitten.
Endlich hatte er dann ihren Ausweis gefunden. Argwöhnisch betrachtete er ihn und schien nicht zu wissen, was er nun machen sollte, jetzt, wo er ihr Geheimnis gelüftet hatte.
Just in diesem Moment rief einer der anderen, dass er einen FBI Ausweis gefunden hatte. Scully konnte einen tiefen Seufzer nicht unterdrücken.
Sie hatten Mulders Ausweis jetzt schon gefunden. Die Agentin konnte sich vorstellen, dass diese Leute nicht sonderlich gut auf das FBI zu sprechen waren. Was würden sie jetzt mit ihnen machen? Was würden sie mit Mulder tun?
'Scheiße. Jetzt ist alles zu spät', Mulder versuchte tief durchzuatmen. Er musste jetzt handeln, sonst wäre alles zu spät. Noch trug er seine Waffe bei sich, und er entschloss kurzerhand, Gebrauch davon zu machen. Zur Überraschung der Flugzeugentführer sprang der Agent auf, aus den Augenwinkeln sah er Scullys erschrockenen Gesichtsausdruck, packte seine Waffe und zielte auf den nächst stehenden maskierten Mann.
,,Lassen Sie sofort meine Partnerin frei, sonst erschieße ich ihren Freund!", rief er laut jedoch bestimmt zum vorderen Teil des Flugzeuges. Mittlerweile waren alle Waffen auf Mulder gerichtet, doch er ließ sich nicht aus der Ruhe bringen.
,,Waffe fallen lassen, sonst ist ihre kleine Partnerin tot!", brüllte Ahmad zurück. Gerade als er Scully packen wollte, trat sie zu. Keuchend ging er zu Boden. Der Tritt in seine Weichteile war erfolgreich gewesen. Da Mulder für Ablenkung sorgte, trat sie immer wieder auf den Maskierten Typen ein.
Dann ging ein Schuss durch die Passagierhalle. Einer der Terroristen hatte auf Mulder geschossen, doch er hatte ihn glücklicherweise um einige Meter verfehlt. Mulder drehte sich geschwind um und feuerte zurück. Sein Treffer saß. Die Kugel verschwand in der Brust des Mannes, wenig später ging dieser mit aufgerissenen Augen und blutend zu Boden.
Manche schrien, andere verfolgten sprachlos die Szene. Doch eines teilten alle: Angst. Auch Mulder wusste, dass es nun kein Zurück mehr gab. Er musste die Sache jetzt durchziehen und zusammen mit Scully versuchen, die Terroristen unter Kontrolle zu bringen. Als er zu seiner Partnerin schaute, staunte er kurz. Scully stand triumphierend über Ahmad, der bewegungslos am Boden lag. Einen kurzen Moment genoss Mulder diesen Anblick, doch er wusste, dass er nicht ewig ohne Taten zuschauen durfte. Er erhob die Stimme.
„Scully!“ Seine Partnerin reagierte sofort. Sie warf ihm einen lieben und aufmunternden Blick zu, dann bückte sie sich und nahm die Waffe von Ahmad an sich. Kurze Zeit später stand sie an Mulders Seite. Die Terroristen waren sauer, jedoch unternahm keiner von ihnen den Versuch, die FBI Agenten zu beschießen. Nach einer endlos langen Zeit des Schweigens trat der Anführer, Said, in den Passagierraum. Er begutachtete die Szene. Ahmad setzte sich gerade auf.
„Was soll das hier?“, rief er erregt durch die Reihen. Sein Blick fiel auf Mulder und Scully.
„Sofort die Waffen runter!“, allmählich wurde er sauer. Waren seine Leute nicht fähig genug diese lächerlichen Zivilisten unter Kontrolle zu halten? Doch als er auf die Waffe des Mannes schaute, erkannte er, dass es keine seiner Männer war. Er musste eigenständig bewaffnet gewesen sein. Also hatte er es hier mit irgendwelchen Regierungsbeamten zu tun.
Mulder rief nun zurück.
„Das können Sie vergessen! Wir können nicht zulassen, dass Sie diesen unschuldigen Menschen etwas antun. Ich will wissen, warum Sie genau dieses Flugzeug entführt haben!“
Said trat näher. Er war der Einzige, der keine Waffe bei sich trug. Anscheinend glaubte er nicht, dass Mulder ihn erschießen würde. Plötzlich fing er an zu lachen. Mulder und Scully tauschten verwirrte Blicke aus. Was hatte das zu bedeuten? Doch sie sollten schnell den Grund erfahren.
„Das soll wohl ein Witz sein. Zwei gegen Sieben. Ich glaube, sie überschätzen ihre Fähigkeiten.“
„Zwei gegen Sechs“, flüsterte Ahmad schwächelnd in das Ohr seinen Anführers. „Sie haben Ari getötet.“
„Was?!“, wütend funkelten Said´s Augen auf. „Sie haben es sich gewagt, einen meiner Männer zu erschießen? Fein. Dann habe ich zumindest noch einen Grund mehr, sie später ohne Mitleid zu quälen.“ Wieder lachte er höhnisch auf. Mulder und Scully konzentrierten sich angestrengt auf die maskierten Männer. Irgendwie hatte er Recht. Was konnten sie schon tun? Auf den Anführer schießen, hätte keinen Nutzen gebracht. Die anschließenden Kugeln seiner Gefolgsleute wären in ihren Oberkörpern gelandet. Mulder schaute kurz zu seiner Partnerin.
„Was machen wir jetzt? Wir haben kaum eine Chance...“
Scully erkannte sofort den hoffnungslosen Ton in seiner Stimme. Auch sie machte sich keine großen Hoffnungen. Sie Situation war ausweglos. Doch sie musste es trotzdem versuchen. Den scharfen Blick von Ahmad ignorierend blickte sie entschlossen zu Said.
„Landen sie das Flugzeug, und lassen sie die Unschuldigen gehen.“ Ihre Forderung war klar, doch würde man darauf eingehen?
Zuerst reagierte keiner, doch dann begann Said leise, dann lauter zu lachen. Verunsichert blickten die FBI Agenten durch die Reihen. Dabei fing Scully einen warnenden Blick eines Passagiers auf. Er versuchte etwas anzudeuten, doch sie war zu langsam, um zu verstehen, was er ihr zu sagen versuchte. Plötzlich krachte der Lauf eines Maschinengewehrs auf Mulders Hinterkopf auf. Scully schaffte noch eine halbe Drehung, da fiel Mulder schon regungslos in sich zusammen. Marid hatte sich meisterhaft angeschlichen und holte nun aus, um auch die FBI Agentin bewusstlos zu schlagen. Scully hatte keine Chance. Nur wenige Sekunden später lag auch sie am Boden, jedoch konnte sie sich bei Bewusstsein halten. Ein unaufhaltsamer Schmerz fuhr durch ihren Kopf. Sie spürte, wie Blut hinunterströmte. Mit einem Stöhnen drehte sie sich auf den Rücken und schaute in das befriedigte Gesicht Marids.
„Es war sehr dumm, sich als Helden aufzuspielen, meine Gute.“ Er beugte sich hinunter und streichelte kurz ihre Wange. Er wusste nicht warum, aber irgendwie gefiel ihm ihr Temperament.
„Marid! Lass das. Wir werden die beiden hier raus bringen. Ahmad, hilf ihm!", befahl Said ihm scharfen Ton.
Kraftlos musste Scully mit ansehen, wie wenig später ihr Partner an den Füßen voran durch den Gang geschleift wurde, die fassungslosen Blicke der Passagiere auf seinem Körper nagend. Marid stand noch immer über Scully. „Sie werden damit nicht durchkommen,“ stöhnte sie nun.
„Das glaubst aber auch nur du,“ entgegnete Marid grinsend und packte sie dann an den Schultern. „Los, aufstehen.“ Solange sie selber laufen konnte, wollte Marid auch, dass sie es tat. Er würde sich nicht die Mühe machen, sie durch die Gegend zu tragen. Nachdem die Agentin leicht zitternd auf ihren Füßen stand, stieß er sie voran, vorbei an den Sitzreihen, Richtung Cockpit, doch das Ziel war ein anderes. Die Passagiere schauten verängstigt, was mit den beiden Agenten geschah. Manche warfen Scully aufmunternde Blicke zu, andere verurteilten sie, dass sie zusammen mit Mulder versucht hatte, die Lage unter Kontrolle zu bringen. Scully gestand sich ein, es hätte besser laufen können, doch nun war es nicht mehr zu ändern. Sie hoffte, man würde Mulder und sie nicht umbringen lassen.
Marid schubste die Agentin vor sich her, in einen kleinen Raum, der hinter dem Cockpit lag. Ursprünglich war er für die Stuartdessen gedacht, jetzt sollte er so etwas wie ein Gefängnis werden. Ein Gefängnis für sie und Mulder. Wenn sie Glück hatten, würden sie dort drinnen allein sein und könnten überlegen, was zu tun war.
Ahmad hatte Mulder schon rein gebracht und stand jetzt scheinheilig grinsend an der Tür. Marid schubste Scully hinein.
„Geh zu den anderen“ befahl Ahmad ihm in barschem Ton.
„Bis später Süße“ flüsterte Marid Scully ins Ohr. Diese schaute nur angeekelt drein, während Ahmad ihn strafend ansah.
Wie befohlen machte er sich auf den Weg. Scully ahnte nichts Gutes.
Sie konnte sich vorstellen, dass er sich für vorhin rächen wollte - an ihr. Sie hatte ihn überwältigt und mehrmals geschlagen. Hoffentlich würde er wenigstens Mulder in Ruhe lassen. Ihm durfte nichts passieren, schon gar nicht wegen ihr.
Bevor Dana noch etwas sagen oder denken konnte, spürte sie auch schon seinen Stiefel in ihrem Magen. Sie lies sich auf die Seite fallen und wurde gleich darauf nochmal getroffen. Sie hatte sich, in dem Versuch einen Schrei zu unterdrücken, auf die Lippe gebissen. Blut floss an ihrem Mundwinkel herab.
„Ich hoffe, es war dir eine Lehre“ damit verließ er den Raum und schloss die Tür hinter sich zu. Nur noch eine kleine Lampe spendete Licht. Keuchend robbte sich Scully zu Mulder.
Im Moment ignorierte sie ihre Schmerzen völlig, sie musste jetzt unbedingt wissen, wie es Mulder ging.
Zärtlich legte sie eine Hand eine an seine Wange, während sie mit der anderen seinen Puls suchte. Alles normal - zum Glück - stellte sie wenige Augenblicke später fest.
Sie atmete erleichtert aus. Er würde wohl bald wieder zu sich kommen. Ihr Schädel dröhnte und ihr Bauch tat höllisch weh, aber sie traute sich nicht sich einfach einen Moment hinzulegen. Dann würde sie völlig schutzlos sein, sollte Ahmad noch mal das Bedürfnis verspüren, sich zu rächen.
07:58 Uhr
Scully schaute angespannt auf ihre Uhr. So allmählich musste Mulder sein Bewusstsein wiedererlangen, doch er regte sich noch immer nicht. Sie machte sich Sorgen. Hoffentlich hatte er keine ernsthaften Schäden davon getragen. Mittlerweile hatte sie sich an eine Wand angelehnt, Mulder lag in ihrem Arm. Sie hoffte, er würde bald aufwachen. Sie musste mit ihm sprechen können, bevor einer der Terroristen wieder zurückkehren würde. Verängstigt dachte sie an diesen Ahmad. Nachdem sie ihn zu Boden geprügelt hatte, konnte er nichts Gutes mehr für sie übrig haben. Wahrscheinlich plante er bereits seinen nächsten Racheakt. Scully erschauderte bei diesem Gedanken.
Wieder vergingen ein paar Minuten. Die Agentin fühlte den Herzschlag ihres Partners. Noch war alles normal. Bloß warum wachte er nicht auf? Doch just in diesem Moment begann er sich zu regen.
,,Mulder!", erleichtert lächelte sie ihm entgegen, als er die Augen öffnete. Er erwiderte die Geste, doch dabei fuhr ein atemraubender Schmerz durch seinen Kopf.
,,Scully. Was ist passiert?", er konnte sich einen Moment lang nicht erinnern.
,,Du wurdest niedergeschlagen und anschließend in diesem Raum gebracht." Sie umging bewusst das Wort 'geschleift'. Mulder nickte nur.
,,Geht es dir gut?" Scully nickte. Es war ein seltsames Gefühl, von Mulder geduzt zu werden, doch die Lage war zu ernst, um auf Höflichkeit zu achten.
,,Den Umständen entsprechend würde ich sagen." Nun versuchte Mulder sich aufzurichten. Es war zwar ein angenehmes Gefühl, so in ihrem Arm zu liegen, aber irgendwie bereite ihm diese Haltung auch ein Kribbeln.
,,Warte, ich helfe dir." Wenig später saßen die beiden nebeneinander und musterten den Raum, in dem sie eingesperrt worden waren. Das Schweigen nagte als erstes an Scully. Sie setzte zu einer Frage an.
,,Wie geht es deinem Kopf?" Mulder winkte ab.
,,Wird schon wieder. Mach dir keine Sorgen. Wichtiger ist, welche Möglichkeiten uns jetzt verbleiben. Denkst du, wir haben eine Chance gegen diese Kerle?" Scully schüttelte betrübt den Kopf.
,,Ich bezweifle es. Die sind einfach in der Überzahl und ohne Waffen haben wir keine Möglichkeiten, uns zu wehren. Wir müssen wohl abwarten, bis wir den Plan von diesem Said erfahren. Vielleicht können wir ja doch noch mit denen verhandeln." Mulder lachte kurz auf.
,,Verhandeln? Meinst du das ernst? Wohl kaum. Entweder soll es ein Massengrab werden oder die wollen die Regierung erpressen, ich frage mich nur, wegen was." Scully wusste auch keinen Rat. Sie zuckte ratlos mit den Schultern. Ihre Augen offenbarten ihre Ratlosigkeit, die Mulder momentan genauso erfüllte wie sie.
„Ich weiß es auch nicht, aber ich kann hier nicht untätig rumsitzen“ meinte sie.
„Ich würde auch lieber etwas tun, aber im Moment haben wir sehr schlechte Chancen, irgendwas gegen die auszurichten.“
Seufzend lehnte sich Scully zurück. Sie würde wahnsinnig werden, solange sie nichts tun konnte. Sie wollte hier weg, mit Mulder. Mit Schrecken dachte sie an Ahmad, er würde kommen, um sich an ihr zu rächen, das stand außer Frage. Nur, wollte er sich auch an Mulder rächen? Schließlich hatte er diesen Mann - Ari - getötet. Was würden sie mit ihm tun?
Die Agentin wollte gar nicht weiterdenken. Ihr Bauch tat noch immer höllisch weh, ganz zu schweigen von ihrem Kopf. Es fühlte sich an, als würde er gleich platzen. Hoffentlich hatte er sie nicht ernsthaft verletzt.
„Geht es dir wirklich gut?“ fragte Mulder besorgt und holte sie in die Realität zurück. Hatte er ihre Gedanken gelesen? Man könnte es so deuten.
„Ja, mir gehts gut“ bei diesem Satz verzog der Dunkelhaarige sein Gesicht. Wie oft hatte er diesen Satz schon gehört? Wie oft war es eine Lüge gewesen?
Sanft legte er eine Hand an ihre Wange und drehte ihr Gesicht zu seinem. Zärtlich streichelten sein Finger ihre Wange, wanderten dann zu ihren Lippen. Er versuchte das Blut von ihrer Lippe zu wischen, versagte jedoch und ließ seine Finger nun unter ihr Kinn wandern und hob ihren Kopf leicht an. Gerade weit genug, um dass er in ihre wunderschönen, blauen Augen sehen konnte.
„Vertrau mir“ flüsterte er.
„Ich vertrau dir, dass weißt du.“
„Dann sag mir die Wahrheit, ich bin der letzte, der dich für schwach halten würde, Dana. Ich kenne dich. Du bist die Stärkste Frau, die ich kenne."
Sie blickte ertappt drein. Natürlich hatte sie gelogen und sie schämte sich sogar ein Stück dafür. Mulder kannte sie einfach schon zu lange, um dass sie Geheimnisse vor ihm haben konnte. Und dann noch diese zärtlichen Berührungen, die ihr ein angenehmes Kribbeln verschafften und ihren Puls beschleunigten. Wie gerne würde sie sich diesen Empfindungen einfach hingeben.
Aber sie durfte nicht, denn es würde ihre Freundschaft zerstören, oder?
Gerade wollte Scully etwas erwidern, da platze plötzlich ein maskierter Mann ins Zimmer. Auf die Schnelle war nicht zu erkennen, um wen es sich handelte. Scully rutschte ertappt ein paar Zentimeter von Mulder weg. Die Terroristen würden leichtes Spiel mit ihnen haben, wenn sie wüssten, dass die beiden FBI Agenten sich so nahe standen.
Es dauerte nicht lange, da war schon der Lauf der Waffe auf Scully gerichtet und der Mann forderte:
,,Auseinander. Los, einer von euch da rüber!", wild fuchtelte er mit der Waffe herum und deutete kurz auf einen im Boden verankerten Garderobenständer. Nun stand fest, dass sie diesen Mann noch nicht ,näher kennengelernt' hatten.
Mulder und Scully tauschten gequälte aber auch genervte Blicke aus. Wie oft waren sie schon bedroht worden, und wie oft heil aus diesen Situationen heraus gekommen? Oft. Bloß würde ihnen bei diesem Flugzeugdisaster auch ein Schutzengel zur Verfügung stehen?
Scully hob abwehrend die Arme in die Höhe.
,,Ich geh schon." Nachdem sie leicht zitternd auf den Beinen stand und die Welt vor ihren Augen Halt gemacht hatte, blickte sie dem Mann entschlossen entgegen.
,,Was wollen Sie von uns?" Der Maskierte antwortete nicht, sondern machte eine schnelle Bewegung, die ihr zeigte, dass sie näher treten sollte. Scully gehorchte ihm widerwillig. Mulder verfolgte angespannt die Szene. Was konnte dieser Mann nur vorhaben? Welchen Befehl wollte er von Said ausführen oder handelte er aus eigenem ,Vergnügen'?
,,Schnauze!", zischte der Mann und richtete seine Waffe nun gezielt auf Scullys Brust.
,,Ich hab bereits gesagt, was ich verlange."
,,Okay." Kurz verdrehte sie die Augen und trat dann noch einen Schritt näher auf die gewünschte Stelle. Als sie einen halben Meter von ihm entfernt stehen blieb, griff er gerade mit seiner freien Hand in seine Tasche. ,,Schau mal, was ich mitgebracht habe."
Ein verschwörerisches Grinsen durchzog sein Gesicht, als er das Paar Handschellen in die Luft hielt.
,,Das habe bei einem von euch unterm Sitzplatz gefunden." erklärte er überflüssigerweise und setzte nun wieder seine harte Miene auf.
,,Auf den Boden!", fuhr er Scully an. Diese gehorchte und kniete sich neben den Garderobenständer. Nun war klar, was er vorhatte. Scully fragte sich, ob sie versuchen sollte, sich zu wehren? Sie warf einen fragenden Blick zu Mulder, der jedoch bereits mit dem Kopf schüttelte. 'Versuch es erst gar nicht', sagten seine Augen. Der Mann war ihr körperlich eh überlegen.
Nun trat der Terrorist neben Scully.
,,Du weißt sicher, was jetzt kommt. Los, anlegen. Sonst werde ich sehr, sehr ungemütlich." Er überreichte ihr die Handschellen und sah erfreut zu, wie sie sie - mit Verbindung über eine der Stangen vom Garderobenständer - anlegte.
,,Braves Mädchen," er grinste und wandte sich dann an Mulder.
,,Hoch mit dir!" Wieder war der Lauf der Waffe auf den Agenten gerichtet. Mulder schluckte, dann tat er, was verlangt wurde. Kaum stand er auf seinen Beinen, da hatte der Terrorist seine Schulter gepackt und zerrte ihn Richtung Tür. Scully beobachtete erschrocken die Szene.
,,Wo wollen Sie mit ihm hin? Was haben Sie vor?" Doch der Mann gab keine Antwort mehr, sondern schubste Mulder auf den Flur hinaus, drehte sich noch einmal um, grinste triumphierend und schloss nach Verlassen des Raumes die Tür.
Scully blieb allein zurück. Das schummrige Licht gab dem Raum eine gespenstische Atmosphäre. Nur das leise, ungleichmäßige Atmen von Scully war zu hören.
Von außerhalb des Zimmers hörte man so gut wie nichts, außer wenn jemand direkt vorbei lief, was nur sehr selten vorkam.
Unruhig rutschte Scully hin und her. Sie machte sich Sorgen um Mulder. Was wollten die von ihm? Was würden sie mit ihm machen?
Würde sie ihn überhaupt wiedersehen? So subtil dieser Gedanke war, die Agentin wusste, dass sie jederzeit sterben konnten. Und diese Männer hatten offenbar kein Gewissen, zumindest nicht ihnen gegenüber.
Sie waren eiskalt und scheinbare Profis, scheuten sich nicht von ihren Waffen Gebrauch zu nehmen. Eins war sicher: Sie beherrschten das Prinzip von ‚Teilen und Herrschen’.
Gezielt hatten sie die beiden Agenten getrennt, wussten das einer allein schwächer war. Außerdem konnten sie sie erpressen.
Dana hoffte nur, dass sie Mulder bald wieder bringen würden. Dieser kurze Moment vorhin war so unbeschreiblich schön gewesen. Seine Nähe zu spüren. Seine tröstenden Worte zu hören.
Verzweifelt versuchte sie sich in eine bequemere Position zu bringen. Die Handschellen ließen dies aber nicht zu, sodass sie weiterhin in ihrer jetzigen Position verhaaren musste. Scharf schnitten die Handschellen in das weiche Fleisch ihrer Handgelenke.
Sie versuchte sich einen Moment auszuruhen, ihr Kopf fing wieder stärker an zu pochen.
Sie war in eine Art Halbschlaf gefallen, als sie hörte wie die Tür geöffnet wurde.
Sie erkannte aber nur eine schwarze Gestalt, da sie von dem hereinfallenden Licht geblendet wurde.
Gemächlich kam er auf sie zu, kniete dann neben ihr nieder. Jetzt konnte sie ihn erkennen. Wie wurde er von den anderen nochmals genannt? Marid?
Sanft, schon fast zärtlich und ähnlich wie ihr Partner zuvor, fuhr er mit seinem Finger über ihre Lippen. Angewidert drehte Scully ihren Kopf zur Seite, was nur ein neuerlicher Stechender Schmerz durch ihren Kopf fahren lies.
„Du gefällst mir, Kleine“ gab er ganz offen zu. Jedoch hörte die Agentin deutlich den hochmütigen, ja schon fast überlegen klingenden Unterton in seiner Stimme.
Was hatte er vor? Dachte die rothaarige Frau ängstlich.
Warum konnte dieser Kerl sie nicht einfach in Frieden lassen? Am Schlimmsten war die Gewissheit, ahnungslos über sein Vorhaben zu sein. Und wozu würde er fähig sein? Würde Scully sich gegen ihn zu Wehr setzen können? Wohl kaum - daran hinderten sie die Handschellen.
,,Schau mich an, wenn ich mit dir rede!", fuhr Marid sie an, da Scully noch immer Augenkontakt mied. Sofort legten sich seine Finger unter ihr Kinn - die Sanftheit war verflogen. Er drehte ihr Gesicht zu seinem und zwang sie somit, den Augenkontakt wieder aufzunehmen.
,,So ist es doch schon viel besser." Ein schäbiges Grinsen durchfuhr sein Gesicht. Es war ein klasse Gefühl, zu wissen, dass er alles mit ihr anstellen können würde, was er wollte.
,,Nehmen Sie die Finger von mir!", ihr Protest zeigte, wie unwohl Scully sich fühlte. Mit einem Ruck schüttelte sie seine Finger ab, jedoch fuhr bei dieser Bewegung erneut ein stechender Schmerz durch ihren Kopf.
,Bitte verschwinde doch einfach wieder', dachte sie verbittert.
Doch trotz ihrer Versuche ließ sich Marid nicht besänftigen.
,,Nana, du willst doch nicht frech werden, oder!?", seine Hand schnellte abrupt vor. Er packte sie im Nacken. Den Druck, den er von Sekunde zu Sekunde ausübte, wurde immer stärker. Kurz blieb es still zwischen den beiden, dann beugte Marid sich vor und berührte mit seinen Lippen ihr Ohr. ,,Du solltest von Anfang an wissen, dass ich es nicht leiden kann, wenn man Widerstand leistet. Also lass es bleiben, sonst wirst du es übel bereuen." Sein Tonfall verriet nichts Gutes. Seine Stimme war ein einziges Flüstern.
Scully schluckte. Was sollte sie nun tun? Sie wartete mit klopfenden Herzen, bis er sie nach einer halben Minute endlich losließ. Sie räusperte sich und versuchte, den Schmerz zu unterdrücken. Dann setzte sie - das Zittern in ihrer Stimme verdrängend - zu einer Frage an.
,,Was haben Sie mit meinem Partner vor?"
Marid‘s Augen nahmen einen ungläubigen Ausdruck an.
,,Was glaubst du denn? Das wir ein Gesellschaftsspiel mit ihm spielen? Wohl kaum. Wir brauchen ihn für unsere Pläne, also vergiss ihn. In den nächsten Stunden wirst du ihn eh nicht zu Gesicht bekommen. Jetzt sind wir für dich da, verstanden?", er legte seine Hand auf ihre, ,,Glaub mir, ich kann auch ganz zärtlich sein." Das Grinsen, das sich auf sein Gesicht gelegt hatte, verschwand schnell, während er den Worten lauschte, die er sofort zurückgezischt bekam.
,,Das glauben auch nur Sie! Und jetzt nehmen Sie die Hände von mir, Sie Schwein! Bläuen Sie sich besser gleich eines ein: Ich lass nicht mit mir spielen! Nehmen Sie doch einen von ihrer Männern, wenn Langeweile bei Ihnen aufkommt! Frauen passen ehrlich gesagt nicht zu Ihnen!"
Marid zog fassungslos die Luft ein.
,Das Mädchen hat aber noch ganz schön Pfiff.' Noch bevor Scully sich versah, hatte Marid die Hand erhoben und schlug ihr ohne Vorwarnung ins Gesicht.
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