Magss hat geschrieben:ich fürchte ja fast in den Berichtigungen und Zitaten könnte eine Frage, die ich mittendrin formuliert hatte, eventuell untergegangen sein, deswegen stelle ich sie hier noch einmal deutlich heraus:
Wie modeliert ihr eure Charaktere?
Also wie ist eure Technik, wie erschafft ihr eine Person?
Ob Canon oder eigene spielt für mich bei dieser Frage gar keine Rolle. Da kann der oder die Schreiberin ja gerne in der Antwort drauf eingehen.
Das hatte ich tatsächlich als rein rhetorische Frage, bzw. zum Fließtext gehörend, gewertet...
Nun - meine Methode ist - bei OC´s - die, dass ich zunächst einmal die Frage an mich selbst stelle, welchen oder welche Charaktere ich brauche. Dazu muss ich zu allererst wissen, was ich schreiben will. Ich kann ja nicht erst einen Charakter der Marke: "Gretchen Gänseblümchen" erstellen und dann fällt mir ein: "Huch - die Figur brauche ich ja für einen Actionkracher..."
Am Anfang steht also die Story, mit einem groben Profil der Hauptpersonen.
Dann erst erfolgt das Ausarbeiten der Figur, wobei ich zumeist zuerst ihr Geschlecht, Alter, Aussehen usw. festlege. Danach bekommt die Figur, ihrem Charakter entsprechend, ein Profil (Geburtsort, Familie, Freunde etc. pp.)
Irgendwann finde ich dann auch einen Namen - bei Menschen geht das relativ einfach, ich sage nur: Filmabspann. In einem Filmabspann findet man abseits der Schauspielernamen so viele Anregungen, dass man damit eigentlich hinkommen müsste, wenn einem nichts selbst einfällt.
Bei Aliens wird es schwieriger, denn die sollen ja nicht menschlich klingen.
Zudem sollte der Name zum Charakter passen - unter einem "Hu Xin Li" stelle ich mir sofort einen gewissen Typus von Mensch vor, und das ist KEIN zwei Meter großer, muskulöser Schwarzer...
Wenn ich z.B. einen Sternenflottencaptain erstelle, dann muss ich zu diesem Punkt in meiner Bio irgendwie hinkommen. Ich habe das Alter, und damit auch das ungefähre Geburtsjahr. Dann rechne ich mir aus, wann der die Akademie besucht hat, wann er zu welchem Rang befördert wurde usw.
Durch diese fiktive Bio lerne ich dann quasi die Vergangenheit meines Charakters kennen, und ich sehe dann warum er so wurde, wie er wurde, was enorm hilft, gerade dann, wenn man eine Serie schreibt.
Zu jeder Hauptfigur gehört auch IMO ein sogenannter Gegenpart - also jemand, der so ganz anders ist, als er selbst. Dies kann selbst für gute Freunde zutreffen, macht es doch die meisten Interaktionen zwischen ihnen spannender, als wenn man sie nach dem Motto: "Zwei Stühle - eine Meinung" gestaltet.
Wenn ich einen ganzen Trupp von Charakteren zusammenstelle - diese nenne ich gerne "Die glorreichen Sieben", weil sehr oft gerade genau diese Anzahl an Hauptfiguren gebraucht wird (Siehe Alien, STAR TREK, etc. pp.) - dann vermeide ich zu viele Extremcharaktere. Zwei (zumeist gegensätzlich extreme) reichen, der Rest sollte eher am Mittelwert angesiedelt werden.
Um eine interessante Mischung zu erhalten, bei der die Zusammenarbeit, aber auch Konflikte gleichermaßen glaubhaft funktionieren, ist es wichtig auf das Zusammenspiel der Charaktere zu achten.
Beispiel: Ein Choleriker einerseits der einem Phlegmatiker andererseits gegenübersteht - und alle anderen Personen liegen vom Temperament eher dazwischen.
Aber auch zwei Charaktere, die sich in den Extremen gleichen können manchmal gut funktionieren - zum Beispiel, wenn beide sehr Temperamentvoll sind.
Idealerweise haben diese Personen die verschiedensten Vorlieben und Fähigkeiten, wobei einige der Interessen sich durchaus überlappen sollten um auch Berührungspunkte zu haben.
Allgemein gilt: je mehr man von den Figuren erfährt desto lebendiger wirken sie - allerdings sollten sich die einzelnen Eigenschaften nicht widersprechen ( Geduldig UND Temperamentvoll - das glaubt man nicht wirklich )
Aus Erfahrung hat es sich als Vorteilhaft erwiesen, wenn man sich ein Notizbuch zulegt, in dass man sich die wichtigsten Eckdaten zu seinen Personen notiert. Schon um ausloten zu können, wer mit wem besser oder schlechter kann, oder ob eine gewisse Szene mit einer bestimmten Person funktioniert.
Bei Canon-Charakteren habe ich all das - was Fluch und Segen zugleich ist.
Segen, weil ich meinen Kopf nicht anstrengen muss, sondern seine Biografie aus dem entsprechenden Franchise ableiten kann.
Fluch, weil man, z.B. in Bezug auf STAR TREK oder ähnlich bekannte Werke, diese Figuren weltweit kennt. Und so muss man sie dann auch treffend darstellen. Eigenes kann man hier nur sehr behutsam einbauen, und man läuft immer Gefahr, dafür dann vom Leser prompt eins auf´s Dach zu bekommen, egal ob es nun wirklich nicht passt, oder der betreffende Leser lediglich meint, es passt nicht... Was hier unabdingbar ist, ist zu wissen, welche Wörter und Redewendungen ein Canon-Charakter benutzt - schreibt man auf Deutsch, dann die Worte und Redewendungen der deutschen Synchronstimme.
Beispiel:
Benjamin Sisko benutzt z.B. in der deutschen Fassung gerne folgende Redewendungen:
- Das freut mich zu hören.
- Ich hätte es nicht besser ausdrücken können.
- Ach, und Chief: Sorgen Sie dafür, das...
- Es geht doch nichts, über...
- Sehr richtig.
Zudem legt er in angespannter Lage gerne die Fingerspitzen an einander.
Ebenfalls zeigt er gerne mit dem Zeigefinger auf Leute, meistens mit einem breiten Grinsen. Besonders bei besagtem: "Sehr richtig."
Solche typischen Redewendungen und Angewohnheiten gilt es bei einer Canon-Figur zu identifizieren, und im rechten Moment einzubauen - nicht permanent, aber hier und da.
BTW: Ich habe in meinem Forum einen eigenen Bereich für Autorentipps. Wenn es so etwas auch hier gibt, dann würde ich gerne auch zu anderen Bereichen meine Erfahrungen teilen (Die Struktur einer Geschichte, Prolog - warum und wie, etc. pp.) - ein eigenes Unterforum dafür wäre ideal, denn dann kann man jeden Bereich separat behandeln und diskutieren.
Hier findest du übrigens einige Beispiele vom Aufbau sehr ausführlicher, eigener Serien-Charaktere von mir. Es sei angemerkt, dass sich ein solcher Aufwand wirklich nur bei sehr umfangreichen Werken lohnt, Einzelgeschichten brauchen einen solchen Umfang bei einer Biografie im Allgemeinen nicht.
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Tar´Kyren Dheran-->
Valand Kuehn-->
Namoro KunangaFür Nebencharaktere reicht diese Form:
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Shamus Malloran-Fynn